Ratgeber · ADHS · Erwachsene
ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen: Ablauf, Tests & Kosten
Wer als Erwachsene:r an ADHS denkt, hat oft jahrelange Selbstzweifel hinter sich. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, wie eine leitlinienkonforme ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter abläuft, welche Tests eingesetzt werden, wie lange sie dauert und mit welchen Kosten zu rechnen ist.
1. Wann ist eine ADHS-Diagnostik sinnvoll?
Bei Erwachsenen zeigt sich ADHS selten als „Zappelphilipp". Typisch sind langjährige Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, chronisches Aufschieben, emotionale Dysregulation, Reizüberflutung, Schlafprobleme oder ein Wechsel zwischen Hyperfokus und Erschöpfung. Viele Betroffene berichten von einem „Funktionieren mit doppeltem Energieaufwand" — und entwickeln im Verlauf Depression, Angststörungen oder Burnout als Komorbidität.
Eine fachärztliche Diagnostik ist sinnvoll, wenn diese Beschwerden seit der Kindheit bestehen, in mehreren Lebensbereichen(Beruf, Beziehung, Haushalt) belasten und nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärt werden können.
2. Ablauf der Diagnostik in 4 Schritten
- 1
Erstgespräch (50 Min.)
Anliegen, aktuelle Symptome, Lebensgeschichte, Leidensdruck und Vorbehandlungen. Klärung der Indikation für eine vollständige Diagnostik und Aufklärung über den weiteren Ablauf.
- 2
Strukturierte Testdiagnostik (90–180 Min.)
Standardisierte Interviews und Fragebögen (siehe Abschnitt 3), Eigen- und wenn möglich Fremdanamnese (Partner:in, Eltern, alte Zeugnisse).
- 3
Differenzialdiagnostik & somatische Abklärung
Abgrenzung gegen Angst, Depression, bipolare Störungen, PTBS, Autismus-Spektrum, Schlaf- und Schilddrüsenerkrankungen. Bei Bedarf Laborempfehlung.
- 4
Befundgespräch & schriftlicher Bericht (30–50 Min.)
Diagnoseeröffnung, individuelle Behandlungsempfehlung (Psychotherapie, Coaching, ggf. Medikation) und schriftlicher Befund für Sie, Hausärzt:in oder Psychotherapeut:in.
3. Welche Tests kommen zum Einsatz?
DIVA-5
Diagnostisches Interview für ADHS bei Erwachsenen — der internationale Goldstandard. Strukturierte Erfassung aller 18 DSM-5-Kriterien im Erwachsenen- und Kindesalter.
CAARS
Conners' Adult ADHD Rating Scales als Selbst- und Fremdurteil. Quantifiziert Symptomausprägung in vier Faktoren (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Selbstkonzept).
WURS-K
Wender Utah Rating Scale (Kurzform): retrospektive Erfassung kindlicher ADHS-Symptomatik — notwendig, weil ADHS definitionsgemäß vor dem 12. Lebensjahr beginnt.
Komorbiditäts-Screening
BDI-II (Depression), GAD-7 (Angst), AUDIT (Alkohol), ggf. AQ-10 (Autismus-Spektrum) und Schlafanamnese — zur Erfassung relevanter Begleiterkrankungen.
4. Differenzialdiagnostik: Was es sonst sein könnte
ADHS-ähnliche Symptome treten bei vielen anderen Erkrankungen auf. Eine seriöse Diagnostik prüft systematisch Alternativen — und schließt sie aus oder erkennt sie als Komorbidität.
- Depression: Konzentrationsstörungen, Antriebsverlust, oft episodisch.
- Angst- und Panikstörungen: Innere Unruhe, Vermeidung, körperliche Anspannung.
- Bipolare Störungen: Hypomanische Phasen können wie ADHS wirken — reagieren aber gegensätzlich auf Stimulanzien.
- PTBS & komplexe Traumafolgen: Konzentrations- und Schlafprobleme, emotionale Dysregulation.
- Autismus-Spektrum: Reizüberflutung und Exekutivprobleme — häufig komorbid mit ADHS.
- Schilddrüsen-, Schlaf-, Eisenstoffwechselstörungen: Müdigkeit, Aufmerksamkeitsdefizite.
5. Dauer & Kosten
Zeitaufwand
Insgesamt rund 3–5 Stunden, verteilt auf zwei bis drei Termine über 1–3 Wochen. Schriftlicher Befund nach dem Befundgespräch.
Kosten
Transparente Abrechnung nach GOÄ. Vollständige Diagnostik je nach Aufwand typischerweise 600–1.200 €. PKV und Beihilfe erstatten in der Regel im üblichen Umfang.
Gesetzlich Versicherte tragen die Kosten als Selbstzahler. Eine teilweise Erstattung über das Kostenerstattungsverfahren der GKV ist im Einzelfall möglich.
6. Was passiert nach der Diagnose?
Eine ADHS-Diagnose ist kein Endpunkt, sondern der Beginn einer gezielten Behandlung. Die S3-Leitlinie ADHS empfiehlt ein multimodales Vorgehen:
- Psychoedukation: Verständnis des eigenen Funktionierens — oft der wirksamste erste Schritt.
- Psychotherapie: ADHS-spezifische Verhaltenstherapie, Achtsamkeit, Strategien zur Selbststeuerung.
- Medikation: Methylphenidat, Lisdexamfetamin oder Atomoxetin — bei klarer Indikation, sorgfältig eingestellt und überwacht.
- Coaching & Umfeldanpassung: Struktur im Alltag, Beruf, Beziehung.
- Behandlung von Komorbiditäten: Depression, Angst, Sucht, Schlafstörungen.
7. Häufige Fragen
Reicht ein Online-Test für eine ADHS-Diagnose?
Nein. Online-Tests können einen Verdacht erhärten, ersetzen aber keine fachärztliche Diagnostik. Eine valide Diagnose erfordert strukturierte Interviews, Fremdanamnese und Differenzialdiagnostik.
Kann man ADHS auch ohne Hyperaktivität haben?
Ja. Der vorwiegend unaufmerksame Typ (früher „ADS") tritt besonders häufig bei Frauen auf und wird oft erst im Erwachsenenalter erkannt.
Was muss ich zum Erstgespräch mitbringen?
Wenn vorhanden: alte Schulzeugnisse, Vorbefunde, Medikamentenliste sowie Notizen zu Beispielsituationen aus Kindheit und aktuellem Alltag. Eine nahe Bezugsperson für die Fremdanamnese ist hilfreich, aber nicht zwingend.
Wird die Diagnose im Führungszeugnis oder bei Versicherungen sichtbar?
Nein. Privatärztliche Diagnosen werden nicht an Behörden oder den Hauptarbeitgeber übermittelt. Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherung sollten Sie sich vorab beraten lassen.
Wie schnell bekomme ich einen Termin?
In der Privatpraxis Dr. med. Otilia Gudana erhalten Sie einen Ersttermin in der Regel innerhalb von 5–6 Werktagen — persönlich in München oder vorbereitend per Videosprechstunde.
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Leitlinienkonform, fachärztlich, mit Zeit für Ihre Geschichte. Ersttermin meist innerhalb von 5–6 Werktagen.
